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Distro-Roulette - Wie findet man das passende Linux

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Distro-Roulette - Wie findet man das passende Linux

COMTRON75 | E-Learning for Humans
Veröffentlicht von Antonino Zambito in IT, Sicherheit & digitale Souveränität · Sonntag 22 Feb 2026 · Lesezeit 4:45
Tags: linux linuxdistributionen opensourcebestelinuxdistribution linuxfüranfänger linuxeinsteigerguide
Das kann schon überwältigend sein, dieses Linux. So viele Varianten aus denen man die für sich passende finden soll. Gibt man „Linux Distribution für Anfänger“ in die Suchmaschine ein, tauchen meist die gleichen Verdächtigen in der Ergebnisliste auf. Linux Mint, Ubuntu oder Zorin OS.
Geht man eine Stufe höher, wird es schon dünner. Fedora, Debian – aber nur bedingt – und natürlich immer noch Ubuntu.
Bei Distributionen im beruflichen Kontext, landet man bei RHEL (Red Hat Enterprise Linux), Rocky Linux oder SLE (SUSE Linux Enterprise).
Profis kommen in die Kiste mit dem Label Fedora und Arch Linux – Deckel drauf und fertig.

Ich arbeite seit Mitte der 90er Jahre mit Linux und kann aus Erfahrung sagen, das ist alles – bis auf wenige Ausnahmen – absoluter Blödsinn.
Es gibt keine Distribution für Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis. Was es gibt, sind Varianten die ihren Fokus auf bestimmte Bereiche legen.

Fedora zum Beispiel ist innovativ und integriert sehr schnell neue Features, kann aber aufgrund dieser Experimentierfreude schneller instabil werden. Nicht immer, weil etwas fehlerhaft ist, sondern weil auf einmal passende Programmbibliotheken fehlen – sie wurden entfernt oder ersetzt und die Anbieter betroffener Programme haben noch kein Update bereitgestellt, weil alles schlicht zu neu ist.
Das macht Fedora jedoch nicht weniger alltagstauglich als die andere Distributionen.
Nehmen wir Ubuntu, die beliebte Distribution mit der größten Community. Sie wird als besonders nutzerfreundlich angepriesen und gerne im privaten wie im geschäftlichen Umfeld eingesetzt. Durch die engagierte Community findet man sehr schnell Hilfe, wenn man vor einem Problem steht. Allerdings kann auch Ubuntu „brechen“. Hier liegt es aber meistens – nicht immer – am Nutzer. Das habe ich selbst bereits zweimal erfolgreich geschafft.
Wer nicht die neuesten Features sofort benötigt und größeren Wert auf Stabilität legt, greift zu openSUSE oder Rocky Linux - den freien Varianten der Enterprise-Distributionen von SUSE und Red Hat.
Beschäftigt man sich mit Netzwerktechnik und Penetrationstests, bieten sich Kali Linux oder Parrot OS an. Sie unterscheiden sich technisch nicht von anderen Linux-Distributionen, bringen jedoch die für diese Aufgaben benötigte Software bereits vorinstalliert mit. Parrot OS betont ausdrücklich, dass es alltagstauglich ist und durch die speziellen Netzwerk-Softwarepakete den Fokus auf den Schutz der Anwender legt.
So ließe sich die Liste ewig fortsetzen – weiterhelfen würde es aber niemandem. Um jetzt zu einem Ergebnis zu kommen, das nicht von Werbebotschaften beeinflusst ist, sollte man sich zwei Dinge bewusst machen.

1. Die Basis jeder Distribution ist GNU/Linux
Das GNU-Betriebssystem kombiniert mit dem Linux-Kernel - das ist das alles verbindende Kernelement. Darauf aufbauend haben sich die unterschiedlichsten Varianten mit ihren speziellen Schwerpunkten herausgebildet. Bevorzugte Softwarepakete, bevorzugte Desktopumgebungen und eigene Philosophien.
Man könnte fragen, warum es nicht ein gemeinsames GNU/Linux für alle gibt. Wie zum Beispiel bei Microsoft Windows oder macOS. Das würde den Umstieg leichter machen. Mag schon sein.
Ich möchte jedoch einen Computer haben, der nach meinen Vorstellungen funktioniert. Der den Fokus auf das legt, was mir wichtig ist – und nicht auf das, was eine Marketingabteilung für verkaufsfördernd hält. Kein Mischmasch aus Funktionen, irgendwo im System versteckt, um jeden ein bisschen zu bedienen und am Ende niemanden wirklich. Nur um sich dann dadurch schneller aufzuhängen bzw. abzustürzen.
Ich verwende verschiedene Distributionen. Zum einen, weil ich bei meinen verschiedenen Tätigkeiten unterschiedliche Schwerpunkte lege. Zum anderen weil es mir riesigen Spaß macht Neues auszuprobieren.
Wenn ich Texte, Artikel oder Bücher schreibe, tue ich das gerne ohne Ablenkung. Dafür nutze ich Ubuntu mit der Gnome-Oberfläche. Reduziert und stilvoll - ohne Windows-Pop-up-Menü mit den neuesten „Nachrichten“, die um meine Aufmerksamkeit kämpfen.
Mein System für Thermosublimationsdrucke (ich betreibe auch ein Fotostudio) läuft auf Linux Mint. Unspektakulär im Aussehen und dennoch extrem vielseitig und zuverlässig im Betrieb.
Mein MacBook Pro von 2012 läuft jetzt auf openSUSE 16 mit KDE-Oberfläche – bis ins Kleinste konfigurierbar und perfekt für alle Aufgaben und ich muss es gestehen, für Menschen mit ausgeprägtem Spieltrieb „Rocksolid“!

2. Was wäre, wenn man gleich mit GNU/Linux begonnen hätte?
Irgendwann bekam man einen Computer. Stationär oder mobil. Darauf lief Microsoft Windows. Wie bei den meisten Computern. Man hatte keinen Plan und hat angefangen Dinge auszuprobieren. Ein Klick hier und ein Klick da und dann ist irgendwas passiert. Software installieren. E-Mail-Programm konfigurieren. Office- und Web-Anwendungen und natürlich Spiele spielen. Auch von Foto- und Videoanwendungen wusste man nichts und hat es erlernt.
Man machte sich keine Gedanken darüber, mit welchem Betriebssystem man da gerade arbeitet und bei jedem Absturz geflucht und es hingenommen. Vielleicht gab es einen verstohlenen Blick zur Apple-Fraktion – mit ihren durchdesignten Endgeräten – mehr aber nicht.
Stellen wir uns vor, man hätte gleich mit Linux begonnen. Das freie Betriebssystem wäre von Anfang an Werkzeug und digitales Zuhause gewesen. Man würde sich nicht fragen, welche Distribution die richtige sei. Man hätte sich mit dem begnügt, was installiert war, und sich eingearbeitet. Vielleicht wäre man später neugierig geworden und hätte andere Distributionen ausprobiert – ohne Berührungsängste. Denn man wüsste, dass alle Varianten im Kern das Gleiche sind.
Also hören Sie auf sich unnötige Gedanken zu machen. Laden Sie sich eine GNU/Linux-Distribution herunter und lösen Sie sich von Ängsten und Konventionen. Sie haben genug Zeit verschwendet aufs Fenster zu schauen.


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